15. Februar 2003

SaturdayMorgengrauen. Der Neurochirurg Henry Perowne kann nicht mehr schlafen, steht auf, tritt ans Fenster… Sein Tag beginnt und Ian McEwans Roman „Saturday“ ebenfalls. Knapp 400 Seiten umfasst er und er erzählt nicht mehr als diesen einen Tag im Leben Perownes, einen Tag, der alles andere als ein alltäglicher Samstag sein wird.

Die Anschläge vom 11. September 2001 sind noch nicht allzu lange her, und es ist spürbar, dass die Welt sich verändert hat. Die Amerikaner wollen den Irak angreifen, und in London findet eine große Friedensdemonstration statt. Perowne nimmt daran nicht teil: Sein Tagesplan umfasst ein Squashspiel mit einem Kollegen, den Besuch bei seiner demenzkranken Mutter im Altersheim und ein Abendessen mit seiner Frau, seinen inzwischen erwachsenen Kindern und seinem Schwiegervater.

McEwan nimmt den Leser mit durch diesen Tag und wir sehen Perowne nun zu bei allem, was er tut. Wir treten nicht von seiner Seite. Und wir haben nicht nur teil an dem, was passiert, wir erfahren auch, was Perowne dabei denkt. Wie er tickt, was er mag, was er sich wünscht. In Rückblenden auch Begebenheiten aus seinem früheren Leben. Und wie er reagiert, als etwas passiert, mit dem er nicht rechnen konnte und das in der Lage ist, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen.

„Saturday“ ist eine Charakterstudie, die begeistert. Ja, man muss sich auch für das Alltägliche begeistern können und man muss wohl auch Sympathie für Perowne mitbringen, sonst wird es schwierig. McEwans Schilderungen sind detailliert, aber der Gefahr des Ausuferns erliegt der Autor nicht. Er schafft es, das Persönliche mit dem Allgemeinen, mit dem Politischen zu verweben. Wenn der Samstag dann auf S. 387 zu Ende gegangen ist, hat sich die Welt vielleicht nicht verändert. Aber Perowne, ja, Perowne bestimmt.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : April 2007
  • Verlag : Diogenes Verlag
  • ISBN: 978-3-257-23627-9
  • Gebunden: 400 Seiten
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4 Gedanken zu “15. Februar 2003

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