Die Suche nach der Liebe in der heutigen Zeit

traumpartner-umschlag-RZ.inddIn Deutschland gibt es fast 40% Singlehaushalte, die Zahl hat sich von 2005 bis heute leicht gesteigert. (2005 = 37%) D.h. etwas weniger als die Hälfte der Deutschen lebt alleine. Doch Partnersuche neben dem Beruf ist schwierig und langwierig. Warum dann nicht bequem übers Internet sich einen Partner suchen? derTraumpartner.de beschäftigt sich mit diesem Thema – aber nicht nur.

Zuerst fällt das Titelbild auf. Eine Frau, mit aufgeklapptem Laptop auf ihrem Schoß, sitzt stocksteif, mit wächserndem Blick, dem Betrachter in die Augen schauend, auf einem Sofa. Neben ihr liegt ein Mops und schaut, wie eben nur Möpse schauen können. Spontan fällt mir dazu Loriot ein: “Ein Leben ohne Möpse ist denkbar, aber sinnlos.“ Und ein wenig hat der Mops dazu beigetragen, dass ich letztendlich mit diesem Buch zurecht gekommen bin.

Melanie, 48 Jahre alt, wohnt in Stuttgart und ist eine beruflich geforderte, selbstständige und erfolgreiche Geschäftsfrau und – Single. Sie hat in ihrem Leben viele Partner gehabt, die Beziehungen sind aus den verschiedensten Gründen gescheitert. Früh hat sie im Internet nach einem ‚Traumpartner‘ geschaut. Doch die dortige Suche hat so ihre Tücken. Auf den ersten Blick erscheint es doch logisch, seine Vorlieben, Wünsche und persönlichen Daten einzugeben und dann nach einem Algorithmus und einer Wahrscheinlichkeit einen Partner zugewiesen zu bekommen den man/frau ansonsten in der Realität vielleicht nie getroffen hätte und mit dem man dann auch glücklich wird. In der Praxis funktioniert diese Art von Suche aber anders. Da wird geschummelt, getrickst und einfach das eingegeben was sich am Besten verkauft:

“Was erwartest Du von einer Internetbekanntschaft? Ich will jetzt nicht allzu ideologisch werden, aber wir heutigen Menschen haben wirklich alles kommerzialisiert. Ich denke, viele Menschen sind heute allein, weil sie zu viel erwarten und denken, es kommt noch was Besseres.“

Auch die Treffen mit den Männern zeigen die Diskrepanz zwischen dem Erwarteten und der Wirklichkeit. Eine hohe Punktzahl im Datingportal bedingt nicht immer sofort eine Liebe fürs Leben und Glücklichsein. Melanie selber ist eine warmherzige, nachgiebige aber auch sehr naive Frau. Für Ihren Partner passt sie sich an, nimmt viele Beschwernisse auf sich, steckt viel ein, aber auch zurück. Im Gegensatz zu ihrer Halbschwester Ida, die schon früh provoziert hat und sich immer kritisch politisch betätigt hat. Dagegen ist Melanie eine behäbige etwas spießige Frau, dennoch voller Leidenschaft, Liebe und Ehrlichkeit. Das ist aber das, woran sie öfters in ihren Beziehungen scheitert.

“Nicht zeigen, dass man leidenschaftlich verliebt ist, sich zurücknehmen. Ihm eher die kalte Schulter zeigen. Ihm seine Wünsche nicht erfüllen. Denn nur so war die Glut der Leidenschaft zu erhalten. Begehren braucht das unerfüllte Wünschen, die Unsicherheit, den Kitzel der Angst, wieder verlassen zu werden. Das alte Spiel zwischen Nähe und Distanz.“

Katharina Behrendt hat einen sehr nüchternen Stil, springt am Anfang häufig in den Zeiten und Partnern hin und her, auch ändert sie des öfteren den Blickwinkel der Figuren, so dass anfangs gar keine richtige Stimmung bzw. Geschichte aufkommen will. Durch den kargen, sachlichen Stil wird man an ein Sachbuch erinnert, auch gibt es Seiten voller Gedanken und Meinungen zu Partnerbörsen und der gesellschaftlichen Entwicklung von Partnerschaften, die einem Zeitungsartikel ähneln. Naiv darf man an Partnerbörsen, ja an Beziehungen nicht herangehen denn:

“Der Humanismus ist ein Irrweg. Wir sind alle nur aus Mangel an Gelegenheit gut!”

Ein wirklicher Roman entwickelt sich erst zur Mitte des Buches, als Melanie mit einem geschiedenen Vater zusammen kommt. Katharina Behrendts Gedanken zu Partnerschaften sind von einer latent männerfeindlichen Gesinnung geprägt, was aber durch humoristische Betrachtungen aufgefangen wird: Auch die Frauen nimmt sie wohlwollend auf die Schippe. Gerade aus der Darstellung der Diskrepanz, zwischen den sehr kritischen Gedanken zu der matriarchalischen Welt und der biederen Melanie, die auf alle Männerstereotypen hereinfällt, die man sich vorstellen kann, ergibt sich die Aussage: Eigentlich bist Du selber schuld! Ida ist der Supervisor, der Melanie immer wieder zurecht rückt und ihr den Spiegel vorhält, dass ihre Wünsche und Träume leider mit der Realität nichts zu tun haben. Als dann der oben genannte Mops (Elfriede!) in die Geschichte eintaucht, war bei mir das Eis gebrochen. Ein wenig Selbstironie und Humor ist hilfreich im Krieg der Geschlechter, bei dem es nicht hauptsächlich um Macht gehen sollte. Das erkennt auch Melanie letztendlich und findet ihren Weg zu dem wichtigsten Partner im Leben den man/frau haben kann!

Ein lesenswertes Buch, welches sich nicht nur mit Internetbörsen beschäftigt, sondern ganz allgemein mit dem Suchen und Finden der Liebe in der heutigen Zeit.

Kleiner Tipp für die Autorin, die schrieb: „… in dem vor provenzialischem Charme sprühendem Örtchen Les Saint-Maries-de-la-Mer.“ Charmesprühender als das, meist von Touristen und Zigeunern überrannte Camargue Dorf am Mittelmeer, sind eindeutig Bonnieux, Lourmarin, St.Remy de Provence (wo van Gogh lebte) oder Cucuron.
Für den nächsten Provence Urlaub.:-)

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 06.10.2014
  • Verlag : Griot Hörbuchverlag
  • ISBN: 9783941234369
  • Fester Einband: 320 Seiten
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3 Gedanken zu “Die Suche nach der Liebe in der heutigen Zeit

    • Das ist sicherlich richtig, Kritik übt sie an den Beziehungen der heutigen Gesellschaft und die Unfähigkeit nach der klassischen Variante eine gleichberechtigte Partnerschaft aufzubauen. Doch macht sie dies auch wohltuend selbstironisch. Das ist das was mir gefallen hat. Es gehören ja immer 2 zu einer Beziehung.

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