Mystery Serienauftakt mit Zwanziger Jahre Flair

DivinersNew York in den 1920 er Jahren. Die lebenslustige siebzehnjährige Evie wird von den Eltern wegen ungehörigen Verhaltens zu ihrem Onkel aus ihrer Kleinstadt in die Metropole geschickt. Verbannt könnte man auch sagen.

In diese, ihr nicht unwillkommene Änderung ihrer Lebensverhältnisse hat sie sich selbst manövriert. Lebenslustig, dickköpfig und ihrem Alter entsprechend nur auf Amüsement und aufregende neue Erfahrungen aus, ist sie zudem noch mit einer durch den Tod ihres großen Bruders verursachten dysfunktionalen Familie und einer ungewöhnlichen Gabe geschlagen.

Evies Talent, hier verlässt die Autorin die Realität und begibt sich ins Fantasy/Horror Genre, ist kein Einzelfall im Roman und passt mit seinem okkulten Hintergrund, in den 20gern eine fasziniert praktizierte Mode, in die damalige Zeit des Aufbruchglaubens. Im Verlauf der häufig wechselnden, opulenten aufgestellten Handlung tritt etlich übersinnlich, magisch unterschiedlich begabtes Personal auf.

Charme und Flair werden durch die detailreiche, fein recherchierte, stimmungsvoll, bildhafte Roaring Twenties Atmosphäre und die  bezaubernd juvenil ambivalente Hauptfigur geschaffen. Ein Hauch von Poesie zieht sich durch das Buch, verblasst aber leider durch die von der Autorin immer wieder neu eingeführten Handlungsstränge und Protagonisten. Immer wieder schwenkt sie auf eine neue Szenerie, füttert den Leser häppchenweise an, es bleibt wenig Zeit, die einzelnen Figuren und ihre Charakteristika zu vertiefen. Dies geschieht eher nebenbei.

Mir drängt sich der Eindruck auf, hier wurde ein Drehbuch geschrieben.

Am Ende des Buches ist zwar ein Fall gelöst, die vielen etwas unübersichtlich losen Enden jedoch noch lange nicht verbunden, Libba Bray hat sogar, in bester Cliffhangermanier, noch neue hinzugefügt. Das mag der geplanten Serie geschuldet sein, ist von anderen Serien-Autoren, auch solchen mit qualitativ weniger hochwertigem Stil, aber erheblich geschickter, sprich leserfreundlicher, umgesetzt worden. Man kann darüber streiten, ob es sinnig ist, in einer fiktiven, im Bereich des übersinnlichen und der Geisterwelt spielenden Erzählung logische Fehler zu bemängeln, in einem Fall hat die Erfinderin jedoch gänzlich den Bereich des logisch nachvollziehbaren verlassen, was sehr schade ist, da die Story sonst gänzlich frei von solchen Fauxpas ist.

Als Fazit bleibt ein, wegen der vielen wechselnden Personen und Handlungshäppchen, etwas unübersichtliches Drehbuch. Geschrieben, so könnte man vermuten, von einer literarischen Egomanin mit einer eigentlich ansprechenden Geschichte im Kopf, die sie ohne Rücksicht auf Leserbefindlichkeiten, (besonders , da es als Jugendbuch vermarktet wird) gleichzeitig schreibt, weiterfabuliert und entwickelt ohne zu wissen wohin der Weg geht. Ein Lektorenversagen. Sehr schade, denn die Story ist eigentlich, qualitativ hochwertig, unterhaltsam, amüsant und stilistisch angenehm. Mich lockt es nicht, die Serie weiterzuverfolgen. Da die genannten Defizite den Lesespass, besonders gegen Ende, mit welchem ich mich nicht anfreunden konnte, deutlich überlagerten.

Meine Lesealterempfehlung liegt bei 16 Jahren. Die teilweise doch recht anschaulich geschilderten Grausamkeiten, das vielfältige Personal, die permanenten Handlungssprünge, die vielfältigen Verwicklungen und Wendungen, swie  die emotionalen Verbindungen der Figuren sind trotz einfach gehaltener Sprache sehr fordernd.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe:
  • Verlag: DTV
  • ISBN: 978-3-423-76096-6
  • Gebunden: 704 Seiten
  • Lesealter: ab 14 Jahren
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