Du bist tot – dies ist KEIN Spiel!

DubistTot„Du bist tot“ – ein für Adventure-Spieler oft gehörter flapsiger Kommentar am Ende eines Spieles. Bei „…dies ist kein Spiel“ wird es aber ernst! Und wenn ein Haufen Orks und ein Drache auf einer Spiele Plattform ‚AVATOR VIER‘ virtuell eine Bank überfallen, ist dies auch kein Spaß mehr, auch wenn es für die Polizei anfangs so aussieht.

Schon im Prolog wird klar, wohin die Reise geht – in die nahe Zukunft und zwar extrapoliert aus unserer Gegenwart. „Sie haben sich zwar nicht für diesen Job beworben, aber dafür sind wir ja da“ heißt es in der abgedruckten Mail (mit 70% Spam-Wahrscheinlichkeit: aber einen Blick wert). Das dieses Kapitel die Überschrift hat: „Wir wissen wo Dein Hund zur Schule geht“ zeigt uns, dass wir alle gläsern sind, und da wir wissen, dass Du unglücklich in Deinem Job bist, bewerben wir uns halt für Dich für einen neuen.

Was als erstes auffällt, ist die Erzählform der 2. Person Singular. Nachdem Du ein wenig weitergelesen hast, ist Dir aber klar, worauf Charles Stross abzielt. Du befindest Dich in einem Spiel, welches Realität heißt. Es gibt 3 Mitspieler, die Sue, Jack und Elaine heißen. Sue ist eine lesbische Polizeisergeantin, die als erstes am ‚Tatort‘ eintrifft, Elaine eine Wirtschaftsprüferin, die den ‚Fall‘ untersucht, Jack ein Computerspiel-Programmierer, von Elaines Firma eingestellt um den ‚Bankraub‘ zu untersuchen. Alle drei treffen in Edinburgh, der Hauptstadt des unabhängigen Schottlands, im Jahre 2018 zusammen und versuchen herauszufinden, was eigentlich passiert ist. Denn um einen simplen virtuellen Bankraub geht es im Grunde nicht, sondern um hochkomplizierte finanzielle Transaktionen, Aktienkurse, Put-Optionen und andere recht neuartige perverse Finanztransaktionen. Die dazu geführt haben, dass das Bankensystem zu Recht unter Beschuss gekommen ist.

Auch ein proprietäres System ist die Informationstechnologie und hier fährt Charles Stross recht schwere Geschütze auf. Nicht nur, dass einem die verschiedensten Fachbegriffe um die Ohren fliegen, er vermischt dies auch noch mit dem Spielesektor und den gebräuchlichen IT-Pop-Worten. Nicht umsonst gibt es 40 Seiten (!) Erklärungen am Ende des Buches. So schwirrt mir nach knapp 100 Seiten der Kopf, nicht nur wegen der Wendungen des als Thriller angelegten Buches, in dem die Perspektiven jedes Kapitel wechseln, auch die Begriffe, die verwendet werden, sind nichts für NOOBs. Dabei wirst Du auch noch nebenbei in verzwickte Realitäts/Spielelöcher geworfen, so dass Du Dich bald fragst, was denn nun das Spiel ist und was Realität.

Das Ganze gelingt sehr realistisch und nachvollziehbar, da Stross gut recherchiert hat. Er kennt viele Interna aus IT-Firmen und wie sie mit Mitarbeitern umgehen. Was es bedeutet, gläsern zu sein und Firmen wie Facebook bedenkenlos alle seine Informationen anzuvertrauen, wird hier plastisch geschildert. Wie abhängig unser Wirtschaftssystem und die Privatbürger von dem andauernden Abrufen von Informationen sind, erschreckt. Und eine Smartphone- und Internetlose Gesellschaft ist erst 30 Jahre her!

Kann man dem Buch folgen? Schwer; ohne IT-Vorkenntnisse und Grundwissen würde ich niemandem raten, das Buch anzufangen, da er nur frustriert wird. Wer nichts mit Blacknet, AD & D, ARG oder MMORPG anfangen kann, dem entgehen wichtige Aspekte, selbst die Erklärungen im Anhang setzen ein gewisses Verständnis voraus. Wer das hat, erlebt eine irre Reise durch eine nahe Zukunft, mit köstlichen Anspielungen auf die IT- und Finanzwelt. Ein Wort zum Buch selber – die Übersetzung von ‚Halting State‘ (stockender Status oder so ähnlich) in den deutschen Titel ‚Du bist tot‘ ist zwar nicht ähnlich, trifft aber den Grundgedanken des Buches sehr gut. Auch die englische Originalfassung mit dem Titelbild der liebevollen C64-Adventure-Männchen wird durch die GTA-Bilder (die faszinierend dem neuen Windows 8 ähneln) kongenial ersetzt.

Wer mir jetzt noch folgen kann, greife zu! Knapp an der Höchstwertung vorbei, durch die manchmal doch etwas verwirrende Art der Geschichte – aber vermutlich hab ichs dann einfach nicht verstanden!

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 01.08.2010
  • Verlag : Heyne
  • ISBN: 9783453526877
  • Fester Einband: 480 Seiten
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11 Gedanken zu “Du bist tot – dies ist KEIN Spiel!

  1. “Du bist tot” – ein für Adventure-Spieler oft gehörter flapsiger Kommentar am Ende eines Spieles.

    – Bei Adventures? Ganz sicher? Ich spiele nur WoW und Adventures und habe diesen Satz noch nie gehört oder gelesen?
    ____

    Bei “…dies ist kein Spiel” wird es aber ernst! Und wenn ein Haufen Orks und ein Drache auf einer Spiele Plattform ‘AVATOR VIER’ virtuell eine Bank überfallen, ist dies auch kein Spaß mehr, auch wenn es für die Polizei anfangs so aussieht.

    – Das liest sich eher, als wenn von MMOs die Rede ist. Die haben mit Adventures aber absolut gar nichts zu tun.

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