Evolution; künstliche Intelligenz und die großen Fußstapfen von Douglas Adams

lange erdeMeine leserische (Nicht-)Beziehung zu Terry Pratchett zieht sich nun seit Jahren wie ein roter Faden des Versagens und der Enttäuschung durch. (Wer hier versagt hat, ist wohl nicht zu klären und letztendlich auch wurscht.)

Immer wieder schwärmen geschätzte Lesefreunde, und dann raff ich mich auf, wackle gen Stadtbibliothek und versuche, mit einem seiner angepriesenen Romane warmzuwerden.

Nada, niente, never ever !

Pratchett und ich werden kein Lesepaar. Ich kam mit seinem albernen, überkandidelten voluminösen Scheibenwelt-Schreibstil nie klar. Jeder neue Versuch scheiterte auf den ersten paar Seiten. Trotz meiner unleugbaren Affinität zu SciFi /Fantasy sowohl hochwertig, als auch gerne mal in Trashform, wenn Humor und Action passen. Gerne auch in höchst alberner, möglichst sinnfreier Ausführung wie beim legendären

Anhalter durch die Galaxis vom seligen Großmeister  Douglas Adams

Rien ne va plus dachte ich mir also.

Bis mich der Klappentext von „Die lange Erde“ in der Stabi verführerisch lockte.

„Es gibt unendlich viele Welten zu entdecken. Sie sind nur einen kleinen Schritt entfernt.“

Immerhin Terry Pratchett in Teamwork mit Stephen Baxter.

Baxters Widmung und ein kurzes Anlesen, ohne die pratchettübliche Albernheit zu entdecken, gaben dann den Ausschlag.

„Die lange Erde“  durfte mit heim.

Und ich habe es nie bereut.

Benötigen wir doch bei unserem jetzigem Lebensstil, je nach Nation und Herkunft, 3 bis 6 Erden, um die Klimakatastrophe abzuwenden und die verfügbaren Ressourcen nicht demnächst aufzubrauchen. (Die Verteilungskriege sind schon im Gange, man verbrämt sie nur mit euphemistischen Bezeichnungen.)

Ressourcen sind kein Problem mehr seit Will Linsays Bauanleitung für den „Original Wechsler“ (für Interessierte: die Zeichnung ist im Buch) im Internet zu finden ist. Seitdem können die meisten Menschen in Sekundenbruchteilen einfach auf eine andere, eine Parallelerde springen. Dort hat die Evolution womöglich andere Entwicklungswege gefunden, aber die meisten Erden sind doch der „Datum Erde“ sehr ähnlich.

Die Auswirkung dieser Fülle an neuen Möglichkeiten ist unüberschaubar und eklatant.

Das gesamte Wirtschaftssystem wird geschädigt, Eden und Schlaraffenland sind in greifbare Nähe gerückt. Den Wechsler betätigt umd FUMMMMPPP (eigentlich hört man nur ein leises Plopp), nach kurzem Unwohlsein befindet man sich in einer besseren Welt. Oder im Jurrassic Park direkt vor dem weit geöffneten Maul eines Tyrannosaurus.

Joshuan Valienté, der Handlungsträger, benötigt nicht einmal den Wechsler, er kann es ohne Hilfsmittel. Damit weckt er das Interesse Lobsangs der (ausnehmend humorvollen und köstlich unterhaltsamen, die Dialoge sind ein Schmankerl! )KI, die die unendlichen Weiten der verschiedenen Erden erforschen möchte. Der ebenso philosophische, wie pragmatische und finanziell unbegrenzt ausgestattete Lobsang heuert Joshua an, um die Möglichkeiten auszuloten und die Reise beginnt ………..

Eine evolutionäre, gesellschaftskritische, philosophische Reise, die mich völlig gefesselt, fasziniert und amüsant unterhalten hat. Bestens unterhalten, da die Autoren zu all ihrem fachlichen Wissen (ich vermute ja Baxter dahinter) auch noch mit Keats- und Twainzitaten aufwarten. Allerdings konnte ich mich am Schluss des Romans eines überraschten, weil völlig empörten Wutanfalls nicht erwehren,

 da zuvor nicht ersichtlich, dass dies Band 1 einer noch nicht vollendeten Serie ist!!!

und der Roman mit einem bösen Cliffhanger endete.

Schon wieder warten auf den Folgeband! Aber lasst euch davon nicht abschrecken. Es lohnt sich. Die Geschichte ist großartig und mit leichter humorvoller Schreibe fluffig zu lesen.

Ein Pageturner. Bestens geeignet für Liebhaber variabler Welten, die ein wenig naturwissenschaftlich angehauchte Szenarien und Rumphilosophiererei mit humorvollen, schrägen, künstlichen Intelligenzen mögen und sich gerne dem Studium der menschlichen Natur widmen.

Mit der Ausnahme, dass eingeschworene Pratchettfans wohl sicherlich etwas enttäuscht sein werden.

Mich hat die Co Produktion begeistert und dazu verführt, mir die Welten des Autors  Baxter endlich einmal anzuschauen.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 14. Oktober 2013
  • Verlag: Manhattan
  • ISBN: 978-3-442-54727-2
  • Klappenbroschur: 400 Seiten

 

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