When we were beautiful …

ari und dante„ … Manchmal lieben Eltern ihre Söhne so sehr, dass sie vergessen, wie schwer es ist, fast siebzehn zu sein. Sie glauben mithilfe unserer Jugend können wir alles überwinden. Vielleicht vergessen Sie dabei eine winzig kleine Tatsache: fast siebzehn zu sein kann brutal, schmerzhaft und verwirrend sein. Fast siebzehn zu sein kann richtig nerven. …“

So ist das mit der Zeit: sie verklärt so einiges und in der Rückschau wird die Zeit mit fast siebzehn zur besten. Beste Zeit, siebzehn – auf dem Sprung in eine andere Welt. Leben im Ökoton, dem Randbereich zwischen zwei Ökosystemen, dort wo der Übergang vom einen zum anderen eine überbordende Artenvielfalt hervorbringt. Und diese macht es schwer, sich selbst zu positionieren, die eigene Nische zu entdecken. Unsicherheit über Gefühle; Gefühle überhaupt – eine komplizierte Sache. Mädchen sprechen mit ihrer besten Freundin über das, was sie beschäftigt, so kenne ich das zumindest. Wie eigentlich machen das Jungs? …

Es ist Sommer. Sommer 1986 und die Welt, in der Aristoteles morgens aufwacht, ist nicht wie gewünscht plötzlich eine andere. Der erste Song im Radio: Alone von Heart, nicht gerade ein motivierender Einstieg.

„ … Ich war fünfzehn.
Ich war gelangweilt.
Ich war unglücklich. …“
 

Doch plötzlich verändert sie sich doch, die Welt, als Ari(stoteles) Dante begegnet. Dante, der Schwimmer, lehrt Ari, den Nichtschwimmer, das Schwimmen …

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums und das aus Aris Sicht, der den Leser immer ganz nah an sich und seine Geschichte heran lässt. Seine Stimme ist allgegenwärtig und so bleiben es auch die beiden Freunde, nachdem das Buch längst zugeklappt ist.

Der Autor dieses überaus berührenden Buches, das den Leser einesteils in die eigene Jugend zurück und andererseits in unbekannte Bereiche versetzt, weiß offensichtlich ganz genau, wovon er schreibt. Authentisch lässt er uns am Seelenleben der beiden Protagonisten teilnehmen, so sehr dass man meint, es wäre die Geschichte von alten Freunden, an die man sich erinnert. Aufschlussreich kann man das nennen, menschlich ist es und das ohne jeden Hauch von Voyeurismus. Das Buch ist „ … allen Jungen, die lernen mussten, nach anderen Regeln zu spielen …“ gewidmet.

Aber auch Menschen, die die fast siebzehn bereits locker überschritten haben, finden hier tiefe Einblicke. Als Mutter eines Sohnes hat mir Benjamin Alire Saenz eine Gedanken- und Gefühlswelt eröffnet, für deren Preisgabe ich ihm zutiefst dankbar bin. War ich zu Beginn der Lektüre skeptisch, ob das Buch mich in irgendeiner Weise anrühren könne, hat es mich früh so sehr gepackt, dass ich Ari und Dante fast vermisse, denn sie haben mir vieles wieder in Erinnerung gebracht, neue Seiten dieser Welt gezeigt und mich einiges gelehrt:

„ … Ein Geheimnis des Universums ist, dass unser Gespür manchmal stärker ist, als unser Verstand. …“

Diese Überzeugung teile ich vollkommen. Genauso wie man das Schwimmen lernen kann, so kann man lernen, auf sein Gespür zu hören und den Verstand beiseite zu schieben, der oft nur von anderen aufgestellte Regeln spiegelt, die wir übernommen haben, um uns einzugliedern.

Benjamin Alire Saenz schreibt in seinem der Geschichte vorangestellten Dank, er habe lange darüber nachgedacht, ob er dieses Buch schreiben solle und hatte sogar schon nach dem ersten Kapitel erwogen, das Projekt aufzugeben. Er hat es nicht getan. Wir können froh sein, dass er seinem Gespür gefolgt ist und seinen Verstand beiseite gepackt und uns diese wunderschöne Geschichte geschenkt hat.

 BuchDetails

  •  Aktuelle Ausgabe: 16. Juli 2014
  • Verlag: Thienemann
  • ISBN: 978-3-522-20192-6
  • Gebunden: 384 Seiten
  • Lesealter: ab 14 Jahren
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