Die Meisterin der Familiengeschichten im Reich von Sherlock Holmes & Co.

amandaAmanda ist 17, bald Studentin am MIT und löst leidenschaftlich gerne kriminalistische Rätsel, am liebsten in ihrem Online Spiel Ripper und das zusammen mit anderen Jugendlichen, die über den ganzen Planeten verstreut in eine andere Haut schlüpfen, um an diesem Online-Rollenspiel teilzunehmen. Nachdem Amandas Patentante, Celeste Roko, eine auch über die Grenzen San Francisco hinaus bekannte Wahrsagerin, ein Blutbad für die Stadt voraussagt, will Amanda gemeinsam mit ihrem Großvater beweisen, dass die Weissagung keine echte ist. So verlassen die Ripperspieler das fiktive Terrain und wagen sich in die reale Welt der in San Francisco offensichtlich von einem Serientäter verübten Morde …

Isabel Allende hat … einen Krimi geschrieben. Das waren meine spontanen Gedanken, nachdem ich die ersten Seiten von Amandas Suche gelesen hatte. Das Buch hatte mich, nachdem ich es schon vor einiger Zeit in der Suhrkamp Vorschau gesehen hatte, sofort interessiert. Wo Isabel Allende drauf steht, ist Qualität drin und meist der ihr eigene und immer mit ihr in Verbindung gebrachte „magische Realismus“. Das und das ansprechende Cover reichten aus, mir das Buch in mein Regal „zu wünschen“. Welchem Genre es zugewiesen wurde, war mir völlig gleichgültig.

Die erste Hürde, das Buch in Händen zu halten war also genommen – die zweite Hürde war ehrlich gesagt keine. Denn Amandas Suche beginnt, wie ein Roman, der mich auf hohem Niveau gut unterhalten soll: Spannend, flüssig, atmosphärisch. Die Handlung entwickelte sich rasch und mein erster Eindruck, dass sich Isabel Allende auf einem für sie neuen Terrain befand, war bald verflogen. Denn was sie da gezaubert hatte, war wieder einmal ein für sie typischer Roman, gewürzt mit kriminalistischen Zutaten.

Dass das Genre Krimi nicht Allendes ureigenstes ist, merkt man der Story zwar hin und wieder an, aber wer will schon einen Null-acht-fuffzehn Krimi – ich jedenfalls nicht. Ich fühle mich mit ausufernden Geschichten, in denen ich die Personen fast wie persönliche Bekannte einschätzen kann, sehr wohl. Und dieses Gefühl hat Amandas Suche, wie viele andere Allende-Bücher, bei mir ausgelöst.

Gewohnt liebevoll und zutiefst menschenfreundlich zeichnet Isabel Allende ihre Figuren und entwirrt die Beziehungen der Einzelnen zueinander. So geprägt kann wohl kein knallharter Krimi entstehen – und eigentlich muss das auch nicht sein. Denn es gibt genügend andere Autoren, die genau das meisterhaft beherrschen.

Einzig das Ende bahnte sich nach dem durch mehrfache Doppelbödigkeit gekennzeichneten Ringen um Erkenntnis etwas zu rasch an.

Vielleicht war es auch nur das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt. Eingeschworene Krimileser allerdings werden nicht unbedingt sehr glücklich werden mit diesem untypisch – typischen Allende Roman.

 BuchDetails

  •  Aktuelle Ausgabe: 04. August 2014
  • Verlag: Suhrkamp
  • ISBN: 978-3-518-42410-0
  • Gebunden: 479 Seiten
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Ein Gedanke zu “Die Meisterin der Familiengeschichten im Reich von Sherlock Holmes & Co.

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