Im Weltraum hört Dich keiner grunzen

Raumstation„Die Sehnsucht entfernte sich immer mehr, und die riesige, von der goldgelben Sonne bestrahlte Raumstation schrumpfte allmählich zu einem winzigen, gelb glitzernden Pinkeltropfen vor der roströtlichen Oberfläche des Planeten.“

Pinkeltropfen?
Paul Niemöser schreibt mal wieder einen seiner homoerotischen Schundromane, in denen der Held (ein kleiner, nicht Paul unähnlicher Mann) einem großen, behaarten, muskulösen, nach Schweiß riechenden und meist nur grunzenden Koloss in die Hände fällt; und das gerne!

Inspiriert wird er auch von der aktuellen Hitzewelle im Mai und seinem Schwager. Seine Schwester ist nämlich schwanger und so besucht er Edeltraut, auf Geheiß seiner Mutter, in der Dachwohnung in Frankfurt.

Zuhause erlebt sein Gatte Konrad mit seinem introvertierten Klavierschüler Anton, der Likörgläser sammelt, eine zarte, romantische Liaison, die im Gegensatz zu Paul seiner Liebelei, aber nur auf der geistigen Ebene stattfindet. Das feuchtheiße Wetter bringt die Gedanken und Gelüste zum Überschwappen.
Je weiter die Schwüle fortschreitet, desto mehr nimmt der Raumfahrer in Pauls Buch die Züge von Porky, Pauls Schwager an, der sich meist leicht bekleidet und schwitzend neben Paul auf dem Sofa lümmelt.

Aufgepeppt ist das Buch mit wunderschönen Einschüben des Weltraumromanes „Im Weltraum hört dich keiner grunzen“ (das am 1.10.2014 erscheint!) und großflächigen, bunten Zeichnungen.

Ralf König hat sich hier selbst übertroffen. Jede Seite strahlt Wortwitz und Intelligenz aus, seine seit Jahren liebgewonnenen Figuren agieren wie gewohnt, aber auch erwachsener.

Dabei wird König nur in den Dialogen direkt. Paul unterhält sich mit seiner Schwester über die Samenmenge seines Schwagers und die Art des Fellatio, ganz herrlich gelungen ist ihm der neurotische einer Diva nachempfundene Biobot (einer Art Bio-Roboter) der die beiden Raumfahrer nahezu bedrängt mit ihr/ihm über Sex zu sprechen.
Die Zeichnungen sind dagegen nur angedeutet und nie pornografisch.
Besonders gut gelungen sind sie ihm, seine Bilder, die, die so viel mehr als Worte ausdrücken.
Bilder, als Panorama, wie die beiden Schwulen, die am Main auf einer Wiese sitzen, im Hintergrund die Skyline von Frankfurt, und sich über das Ballungszentrum in einer Hose unterhalten, sind für die Ewigkeit.

Natürlich hat das Ganze, wie auch in seinen letzten Romanen (z.B. die Nacherzählung von Teilen der Bibel), viele Referenzen an vergangene literarische Meisterwerke (ja – Tennesse Williams, die Glasmenagerie, Endstation Sehnsucht….) und man ist erstaunt wieviel Referenzen an vergangene Filmgrößen man in einer Dachwohnung in einem Stadtteil von Frankfurt erleben kann (ist das nicht Marlon Brando im Muskelshirt und Liz Taylor mit der Schmolllippe??) doch zuallererst unterhält König!

Ralf Königs Sgt.Pepper (oder Revolver), sein Dark Side of the Moon – oder einfach sein bisheriges Meisterwerk!

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 07.03.2014
  • Verlag : Rowohlt
  • ISBN: 9783498035686
  • Fester Einband: 192 Seiten
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