Drohnenkrimi

rezensiert von Ralf Reitze

„Ich hatte alle Daten, das stimmt. Aber ich hatte keine Lösung. Informationen sind keine Ideen. Wie ich Ihnen bereits bei unserem letzten Gespäch gesagt habe, bin ich kein so origineller Denker wie ihr.“

Der dies sagt, hat ein Gehirn und eine Kapazität von mehreren Petaflops pro Sekunde, doch kreativ können immer noch nur Menschen sein. Deshalb gibt es immer noch Mordkommissare wie Aart van der Westerhuizen, der zusammen mit seiner Analystin Ava Bittmann einen kniffligen Mord aufklären muss. Eigentlich in Zeiten der allumherschwirrenden und aufzeichnenden Drohnen sollte dies kein Problem darstellen, doch dieser Fall, der Mord an einem hohen Brüsseler Politiker, ist schwieriger als gedacht und so macht sich Westerhuizen in längst vergessener Casblanca-Manier daran, den Fall zu lösen. Westerhuizen weiß, wie es um solche Fälle und die Gerechtigkeit bestellt ist, daran hat sich auch in der nahen Zukunft nicht viel geändert:

„Irgendwer hat einmal gesagt, die Wahrheit kommt zwischen neun und fünf ans Licht. Ich bin der Meinung, dass sie sich zudem nur selten in Bürogebäude verirrt, und schon gar nicht im Justizpalast.“

Und so beschreibt uns Tom Hillenbrand einen fast schon klassischen Kriminalfall, in einer Welt, die von Überwachungsdrohnen, klein wie Mücken, ausgeleuchtet wird. Es wird ein spannender Fall aufgerollt, der gespickt ist mit Überraschungen, den klassischen Tricks – den üblichen Verdächtigen (wie in Casablanca, dem Film) und verwirrenden Wendungen.

Dabei ist dies nicht nur ein Kriminalroman, nebenbei verpackt uns Hillenbrand auch noch einen waschechten Science Fiction und hat neben den sehr gut recherchierten technischen Finessen auch noch eine zukünftige Welt parat, die durch Wortspielereien wie minuskrass oder pluskrass, oder den durch den Klimawandel ewigen Regen, der schon die halbe Niederlande hat untergehen lassen, sehr authentisch wirkt.

Fast atemlos verfolgen wir den Weg von Westerhuizen durch den digitalen Mirrorspace (erinnert an Shadowland), die Aufarbeitung seiner Vergangenheit als Solarkrieger, die ihn so wunderbar lakonisch altmodisch reagieren lässt und die vielen Reminiszenzen an alte Filme (Casablanca, Reservoir Dogs).

Daneben packt Hillenbrand noch viele schöne technische Highlights ein, die auch SF-Fans entzücken lassen. Der nach Besters ‚Demolition‘ beste und intelligenteste SF-Krimi Romane den es meiner Meinung nach gibt, den Pulitzer Preis wird er damit zwar nicht gewinnen, aber dafür ist er ungemein spannend, packend und mit einer Prise Witz geschrieben.

Damit hat sich Hillenbrand nach seinen kulinarischen Krimis auch die Herzen der SF-Gemeinde erobert.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 15.05.2014
  • Verlag : Kiepenheuer & Witsch
  • ISBN: 9783462046625
  • Gebunden: 432 Seiten
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