Don’t mock the afflicted – Wer den Schaden hat ………..

Hornby DrecksackEndlich. Neues von Nick Hornby.

Wenn auch „nur“ eine 68-seitige Kurzgeschichte im smarten Taschenbuchformat. Ich bin normalerweise keine Freundin von Kurzgeschichten, ein Hornby ist natürlich dennoch Pflicht. Diese hier ist zweisprachig veröffentlich worden. Man kann zwischen Deutsch und erfreulicherweise sehr einfach verständlichem Englisch wählen.

„Jeder liest Drecksack“ ,

so die Kolumne von Elaine Harris , Charlie Harris baldiger Ex -Ehefrau.

Nach zehn Jahren Ehe, die letzten beiden in getrennten Wohnungen, rechnet Elaine ab. Charlie taugte nichts als Ehemann, als Vater … ja, Charlie ist ein Drecksack! In der Englischen Originalversion ein Bastard. Da sie Journalistin ist, rechnet sie mit Charlie in ihrer wöchentlichen Lifestyle Kolumne

„Drecksack“ Leben mit dem Ex – aus den Augen aber nicht aus dem Sinn

ab.

Erfolgreich, wenn man von der öffentlichen Aufmerksamkeit ausgeht. Sie hat den mittelalterlichen Pranger dank der Medien in die Gegenwart zurückgebracht. Welche Art Frau macht so etwas, und wie muss der dazugehörige „Bastard“ beschaffen sein, dass er solches verdient?

Hornby erzählt aus Charlies fast schon träge und gelähmt wirkender Perspektive, der sich der Verfehlungen, die Elaine hier an die Öffentlichkeit bringt, durchaus bewusst ist. Nur ist seine Sicht der Dinge etwas anders als die der Mutter seiner Kinder, welche süffisant genüsslich bis jammervoll:

„Ich hatte schon aufgegeben. Meine romantische Seele hatte meinen Körper bereits verlassen.“

die Jahre ihrer Ehe rekapituliert und zugleich therapeutisch und beruflich nutzt. Elaine lernt man nur aus Charlies Erinnerungen kennen. Hier hätte ich mir bei beiden Personen etwas mehr Vertiefung bezüglich ihrer Persönlichkeiten gewünscht. Hornby bleibt sehr an der Oberfläche. Die Geschichte wird dadurch stringenter, bleibt aber relativ flach. Passend zur Life – Style Kolumne.

Zwei Menschen die sich wohl irgendwie und irgendwann liebten, sind gescheitert. Tausendfach geschieht dies, weltweit. Schmutzige Wäsche wird gewaschen, Kinder, Eltern Freunde und Bekannte mit hineingezogen.

„Jeder liest Drecksack“ kann als eine Anleitung für Beziehungs- und Kommunikationsanalphabeten gelesen werden.

Oder für solche die es nicht werden wollen.

Aber auch Leser, die in einer liebevollen stabilen langjährigen Beziehung leben, wissen um die kleinen störenden Macken des Partners. Irgendetwas stört immer. Und sei es nur die elende Art und Weise, wie jemand, fast schon manisch pedantisch, und ich nenne hier keine Namen, seinen Glasjoghurtbecher bis zum letzten winzigen Schlonzer mit einem Metalllöffel auskratzt und keinerlei Rücksicht auf die unangenehme, dadurch verursachte Geräuschkulisse nimmt, welche seine gesamte Umwelt in Mitleidenschaft zieht!!!

Ein amüsantes kurzweiliges Scheidungshistörchen, wobei man bei Hornby mit einem besonderem Ende rechnen darf.

Fazit: Ein witziges Schmankerl für Liebhaber der alltäglichen Verlierer.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: Juni 2014
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • ISBN: 978-3-462-04596-3
  • Taschenbuch:  128 Seiten

 

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