Sara La Kali

GoldregenIn Österreich kursieren seit einiger Zeit Bilder von Leichen unter Wasser, niemand weiß, wer die Toten sind oder wo die Bilder aufgenommen wurden. Adam Wischnewsky, Musikmanager in Wien, hat einen Verdacht und trommelt mit Hilfe seiner Assistentin Tamara eine Jazzcombo zusammen, mit der er als Tarnung auf einem Kreuzfahrtschiff nach Ungarn reisen möchte: Er vermutet, dass die Bilder dort aufgenommen wurden und dass er in den Kreisen der Roma suchen muss, die ganz offensichtlich das Ziel einer Bande von Kriminellen sind: die Kleidung der Toten, die er auf den Bildern erkennt, scheinen die der Gipsy-Band Cigányok a Sara la Kali zu sein.

Daniel Carnissons Roman „Goldregen“, laut Buchcover ein „Gipsy-Krimi“, nähert sich den Roma an, bringt dem Leser deren (Musik-)Kultur ein Stück näher und erzählt außerdem einen recht unterhaltsamen Krimi, der allerdings die Konzentration seines Lesers fordert: Auf wenigen Seiten werden einige Figuren eingeführt, deren Beziehungen untereinander sich oftmals nicht gleich aus der Geschichte erschließen. Hier muss man dranbleiben, da sich die Fäden erst im Laufe des Romans immer mehr zusammenfügen und schließlich zu einem schlüssigen Ende führen. Da gibt es Adams Assistentin Tamara mit Handicap, sicher eine Sympathieträgerin, die ein Talent im Organisieren von Musikfestivals ist, da ist eine geheimnisvolle Frau namens Mirijam, die den Lesern des ersten Romans um Adam Wischnewsky schon bekannt ist und allen anderen aber erstmal Rätsel aufgibt. Und es gibt die charismatische Eszter, die aus einer bedeutenden Roma-Familie stammt und ein besonderes Verhältnis zu „Papa“, dem Oberhaupt dieser Familie hat. Außerdem einige Männer in verschiedenen Positionen, die Adam im Laufe der Geschichte begegnen. Wer ist hier Feind, wer Freund? Wer hat ein Interesse daran, immer wieder Angehörige der Roma umzubringen und warum wurden diese Morde dokumentiert und an die Öffentlichkeit gebracht?

„Goldregen“ ist nicht die Sorte Krimi, die vor Actionszenen nur so strotzt, hier liegt der Schwerpunkt auf den handelnden Personen, auf der Aufklärung des Falls und auf dem Schaffen einer authentischen Atmosphäre, was dem Autor zumeist auch gut gelingt. Er lässt sich Zeit für seine Figuren, verliert sich zuweilen aber in beschreibenden Passagen, die zwar zur Stimmung beitragen, die Geschichte aber nicht voranbringen, so dass das Ganze immer wieder ein wenig stockt. Die Charaktere sind nicht authentisch genug, ihnen fehlt der letzte Schliff, um die Geschichte ganz allein zu tragen. Insgesamt aber ein schöner Krimi, der Einblicke in eine Kultur zulässt, über die viele Vorurteile bestehen und bei dem man nebenbei noch etwas lernen kann.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 4. April 2014
  • Verlag : ars vivendi verlag
  • ISBN: 978-3869134239
  • Broschiert: 310 Seiten

 

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