„Unsere Familie ist nicht wie andere“, sagt Ashley. „Keine ist so, wie sie scheint“, sage ich.

HomesObwohl Harold Recht haben mag, ist das, was der 11-jährigen Ashley zugestoßen ist, sicher etwas, das den meisten Familien nicht passiert: Gleich zu Beginn von A. M. Homes’ neuem Roman „Auf dass uns vergeben werde“ verursacht ihr Vater George einen Verkehrsunfall, bei dem die Eltern eines Jungen ums Leben kommen. Ashleys Onkel Harold, der Bruder ihres Vaters, nimmt sich ihrer Familie an, und während noch niemand die Zeit hatte, den Schock des Geschehenen zu verdauen, nehmen weitere unheilvolle Dinge ihren Lauf, die auf Ashleys Leben, und auf das ihres Bruders Nate, gewaltige Auswirkungen haben.

Harold erzählt diese Geschichte seiner Familie, das heißt der Familie seines Bruders, die mehr und mehr zu seiner eigenen wird. Er, der ältere Bruder, wurde immer für den jüngeren gehalten, wohl wegen des aggressiven, einnehmenden und jährzornigen Charakters Georges’, der nicht nur seinen Bruder immer dominiert hat. Harold hat keine Kinder, unterrichtet an der Uni und schreibt schon seit einigen Jahren an einem Buch über Richard Nixon, der ihn fasziniert.

Nun aber sieht er sich einer komplett neuen Situation gegenüber. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als die Scherben zusammenzukehren und weiterzumachen, mit gänzlich neuen Voraussetzungen. Im Laufe des Romans macht Harold nun einen Prozess durch, in dessen Verlauf sich viel für ihn und die anderen verändert.

Was A. M. Homes uns erzählt, ist in erster Linie schockierend, traurig, verschlägt dem Leser die Sprache. Aber sie lässt uns nicht einfach nur trauern, denn in ihrem Roman steckt so viel mehr. Was Harold erlebt, trägt teils satirische Züge, einiges, was geschieht, ist schlichtweg unwahrscheinlich. Homes’ Kritik am heutigen Amerika ist oftmals überspitzt und bitterböse.

Es gibt aber Hoffnung. Vor allem Georges Kinder wachsen dem Leser ans Herz. Mit Nate und Ashley hat Homes zwei Charaktere geschaffen, die man im wahren Leben gern treffen möchte, intelligente, aufgeweckte, empathische Kinder bzw. junge Jugendliche.

Wie Harold durch sein Leben geht, das so plötzlich ein ganz anderes ist – tatsächlich zeigt der Roman auch, wie schnell sich alles verändern kann – das erzählt Homes auf oft witzige, trockene Art, vor allem ihre Dialoge bereiten Vergnügen. Harolds Bekanntschaften sind teilweise seltsame, auch verlorene Charaktere. Wenn auch das, was der Familie zustößt, sehr ernst und tragisch ist, sie machen weiter, einen Schritt nach dem anderen, jeder auf seine Weise.

Am Ende dieses Romans ist alles anders als zu Beginn und man kann kaum sagen, dass es besser ist. Aber A. M. Homes zeigt, dass man Krisen überstehen kann. „Auf dass uns vergeben werde“ lohnt sich, so viel steckt in diesem Roman, bitte lesen!

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 8. März 2014
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • ISBN: 978-3-462-04610-6
  • Leinen gebunden: 672 Seiten

 

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