Sein Kampf – Der erste Teil

sterben„Sterben“, so lautet der deutsche Titel des ersten von 6 Bänden, in denen der norwegische Autor Karl Ove Knausgård über sein Leben schreibt. Im Original mit „Mein Kampf“ überschrieben, war in Deutschland keine wortgetreue Übersetzung möglich.

Aber was man da liest, ist ein Kampf. In „Sterben“ beschäftigt sich der Autor intensiv mit der schwierigen Beziehung zu seinem Vater, der ihn sehr geprägt hat und zu dem er ein sehr schwieriges Verhältnis hatte. Der Vater stirbt, aber zunächst lesen wir über Episoden aus der Kindheit und Jugend Knausgårds, über Ängste und alle möglichen Arten von negativen Gefühlen, bevor in der zweiten Hälfte des Romans der Fokus auf dem liegt, was passiert, nachdem der Autor vom Tod seines Vaters erfährt und sich um alles kümmert, was vor allem bedeutet, das total verdreckte und heruntergekommene Haus zu putzen, in dem sein Vater sich selbst zugrunde gerichtet hat.

Knausgårds Buch ist ein Roman, keine Autobiographie. In einem Interview sagte er, dass er sich an Stimmungen und Gefühle erinnert, Dialoge aber rekonstruieren musste. Dass seine Romane daher nicht wahr seien, aber ehrlich.

Knausgårds ganz persönliche Geschichte über sich und seinen Vater braucht an die 600 Seiten. Als Leser muss man sich auf seine Art des Erzählens einlassen, auf lange Einschübe und Rückblicke, bevor es dort weitergeht, wo er sich an diese oder jene Episode erinnert hat. Knausgård erzählt auch kleinste alltägliche Handlungen ganz genau, jeder Handgriff beim Kaffeekochen kann da Erwähnung finden.

„Schwer“ ist der Roman deshalb, weil sein Autor nichts verklärt, er sucht keine Entschuldigungen und Erklärungen, er benutzt keine metaphernreiche Sprache, er verschleiert nichts. Das macht ihn zwar menschlicher, aber nicht unbedingt sympathischer. So liest man „Sterben“ nicht immer gern, braucht vielleicht einmal öfter eine Pause, und das Buch ist immer wieder nicht nur ein Kampf für den Autor, sondern auch für den Leser. Auf der anderen Seite besitzt gerade diese Art des manchmal brutal ehrlichen Schreibens eine ganz besondere Faszination, so dass ich die folgenden fünf Bücher, die sich mit anderen Aspekten aus Knausgårds Leben beschäftigen, unbedingt auch noch lesen muss.

  • Aktuelle Ausgabe : 11.03.2013
  • Verlag : btb
  • ISBN: 978-3-442-74519-7
  • Taschenbuch: 576 Seiten

 

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6 Gedanken zu “Sein Kampf – Der erste Teil

  1. Pingback: Norwegische Kindheit – Knausgård 3 | Feiner reiner Buchstoff

  2. Pingback: Lieben – und weiterkämpfen | Feiner reiner Buchstoff

  3. Pingback: Karl Ove Knausgård – Sterben | Muromez

  4. Danke für die schöne Besprechung – ich bin großer Fan von Karl Ove Knausgård und habe die ersten drei Bände seines Mammutwerks bereits gelesen, mit Begeisterung. ‚Sterben‘ war dabei sicherlich mein persönlicher Favorit, gerade die Passagen über den Tod des Vaters haben mich sehr berührt.

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