Die Jagd auf die Warpels

RumDoodle_UMSCHLAG_72dpi_1400px_RGBDie Besteigung des Rum Doodle, ein leider unbeachtetes Buch von 1958, ist eines der schönsten, witzigsten und feinsinnigsten satirischen Bücher, die mir je unter die Finger gekommen sind.

Es beschreibt die Besteigung des höchsten Berges der Welt, der Rum Doodle, der genau 40.000,5 Fuß hoch ist.
Moment, werdet ihr einwenden, was ist mit dem Mount Everest??
Doch bevor ihr Euer Wikipedia, Trivial Pursuit und Lexika Wissen an den Mann/Frau bringen wollt, dann informiert Euch erst mal darüber was überhaupt ein Berg ist, wie man Höhe misst und warum der Mount Kea auf Hawaii eigentlich der höchste Berg ist.

Nachzulesen im Nachwort des hier vorliegenden Buches von Andreas Lesti.
Dort erfährt man auch ein wenig über die Historie des Bergsteigens und warum man die Höhe nicht in Fuß sondern in Metern misst, dort haben die Engländer sich nicht ganz durchsetzen können. Auch der Rum Doodle ist nach Messungen des, in der Bergsteigerexpedition mitwirkenden Wissenschaftlers Christopher Wish, genau 153 Fuß hoch.
Aber auch auf der Schiffshinreise wurde die Höhe des Meeresspiegels von ihm exakt so gemessen.
Irgendwie scheinen die Instrumente nicht ganz korrekt gewesen zu sein.

Die Expedition besteht aus lauter versierten Experten, doch schon bei der Beschreibung bemerkt man den feinsinnigen Humor der dieses Buch durchdringt, die Mischung aus Ernst und Satire, die im englischen noch viel subtiler vorhanden ist, als bei uns Mario-Barth-dumpf-dröhn-klatsch-lach-Deutschen.
Humphrey Jungle der Pfadfinder schafft es zum Beispiel nicht einmal sich beim ersten Treffen einzufinden, er verirrt sich in London.
Und so geht es mit den Experten weiter, Pleiten Pech und Pannen begleitet die Expedition, doch der Führer (der Ich-Erzähler) hält felsenfest an seiner „verschworenen Mannschaft“ fest.
Sein verblendeter Wahrnehmungssinn, zeigt uns satirisch, die feine englische Art der Wahrheit manchmal eben nicht ins Gesicht zu sehen (wollen).
Überhaupt wer hier NUR eine Bergsteigersatire sieht, greift zu kurz, das Buch ist viel mehr!
Persifliert werden nicht nur die Bergsteiger, sondern vor allen Dingen die Engländer und ihre Art die Dinge anzugehen.
Sei es der Führer der sich alles auf die feine englische Art schönredet und den Zusammenhalt mit Reden über Bräute kittet, der Pfadfinder der nichts findet, der Fotograf der nichts fotografiert oder der Diplomat der an den Grunz-und Rülps Lauten der Eingeborenensprache scheitert.
Hier wird insbesondere die etwas überhebliche Art der Engländer den „primitiven“ Völkern gegenüber gezeigt, die wenn sie nicht englisch sprechen, sich mit barbarischen Lauten verständigen oder wenn sie kein Champus trinken, nur ungeniessbaren pampigen braunen Brei essen.
Dass sie nebenbei auch nicht wissen wie man Berge besteigt, brauche ich nicht zu erwähnen.
Auch der Kampf mit der noch unausgereiften Wissenschaft ist köstlich dargelegt.


Dass manch einer erst nach knapp 100 Seiten merkt, dass dies eine Satire ist, spricht für die feine humorige Art von Bowman.
Nebenbei hat er auch noch ein paar schöne „running gags“ eingebaut.

„Mehrmals glaubte ich, einen Warpel zu sehen, doch erwies er sich stets als Halluzination. Mehrmals glaubte ich, eine Halluzination zu sehen, doch erwies sie sich stets als Fleck auf meiner Schneebrille. Einmal glaubte ich, einen Fleck auf meiner Schneebrille zu sehen, doch erwies er sich als Warpel, der sich als Halluzination erwies.“

Eine rundum gelungene, sprachlich auf höchsten Niveau angesiedelte Satire, die zu Unrecht noch nicht mehr Lesern bekannt ist.

Natürlich Höchstnote und für Thursdaynext, die mir sie empfohlen hat, 153 Warpels.  Mögen Sie ihr im Pongschen Kochtopf munden.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 25.03.2013
  • Verlag : Rogner & Bernhard
  • ISBN: 9783954030101
  • Flexibler Einband: 196 Seiten
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s