Eine schriftliche Liebe

HannaundSebastianNachdem Hanna und Sebastian im Jahr 2000 eine glückliche Zeit miteinander in Rom verbracht haben, beginnen sie, einander Briefe zu schreiben, später dann E-Mails und SMS. Sie wohnt in München, er in Berlin, und zunächst einmal steht eine Beziehung nicht zur Debatte, auch wenn sie von da an so Vieles miteinander teilen, indem sie sich davon erzählen.

Thomas Klugkists Debütroman „Hanna und Sebastian“ ist ein moderner Briefroman, der ausschließlich die Nachrichten der beiden Protagonisten wiedergibt. Zwei ganze Leben breitet er vor dem Leser aus, all das, was Hanna und Sebastian sich erzählen und erzählen wollen, offen und ehrlich. Da geht es sowohl um Alltägliches, um den Beruf, um Freunde und Bekannte, um kleine Begebenheiten, aber genauso geht es um große Fragen, geraten die beide ins Philosophieren, diskutieren Grundsätzliches, haben auch intellektuell eine gemeinsame Basis und führen zuweilen auch eher verkopfte Diskussionen.

In zehn Jahren erst wollen sie sich treffen, so die ursprüngliche Idee, an der sie aber eigentlich gar nicht festhalten möchten. Und auch wenn beide in Beziehungen stecken, sich von diesen Beziehungen ebenso erzählen, wie von allem anderen, so ist die Sehnsucht immer da, sich wieder zu sehen, zu schauen, was das ist zwischen ihnen, das sie so nahe beieinander hält, ohne dass es einen direkten, einen körperlichen Kontakt gibt.

Da es naturgemäß weder eine allwissende Stimme, noch einen beobachtenden Erzähler gibt, erfährt der Leser alles aus der Perspektive der beiden Schreibenden. Sie charakterisieren sich selbst und werden vom jeweils anderen charakterisiert. Das ist spannend, gerade auch, weil beide in der Lage sind, sich selbst, den anderen und das, was sie gemeinsam haben, auf hohem Niveau zu reflektieren. Und weil sie so offen miteinander umgehen. Für den Leser hat es außerdem den Effekt, dass Hanna und Sebastian ihm näher kommen und er beginnt, zu allem, was er da liest, seine eigene Position zu erforschen.

Während die beiden sich schreiben, entwickeln sie sich weiter, sie müssen mit kleineren und größeren Katastrophen fertig werden. Sie brauchen einander. Und der Wunsch ist da, den sicheren Ort, an dem ihre Beziehung stattfindet, aufzugeben und sich hinauszuwagen. Natürlich ist das ein Risiko.

Thomas Klugkist hat einen intelligenten und tiefsinnigen, dabei aber auch unterhaltsamen Roman geschrieben, der von dem Wechsel zwischen Alltag, intellektuellen Gesprächen und den „größeren Fragen“ lebt. Und von seinen so lebensnah gezeichneten Figuren.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 01.02.2014
  • Verlag : Beck
  • ISBN: 9783406659607
  • Flexibler Einband: 432 Seiten
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