Auf Wolke Sieben

Eine Gemeinschaftsrezi der Wokensammler Bri, Rallus und Thursdaynext

wolkenatlasAuf Wolke Sieben  ließ uns David Mitchells Wolkenatlas während der Lektüre stilistisch schweben.

Cloud AtlasWolkenatlas, ist eine Reise. Eine Reise von der Vergangenheit in die Zukunft. Und zurück. Unsere Reisebegleiter stammten aus den unterschiedlichsten Kulturen, kommunizierten in den verschiedensten Sprachen, lebten in unterschiedlichen Zeiten und Gesellschaften. Sie waren durch vieles getrennt und dennoch häufig über unscheinbare Ereignisse verbunden.

Das gibt es nicht? Doch! David Mitchell schafft sogar noch mehr. Jedes Kapitel, jede Epoche wirkt, als hätte hier ein anderer Schriftsteller seine Hand im Spiel gehabt. So unterschiedlich sind Form, Sprache, Dialoge und vor allem die Charaktere. Ein literarischer Genremix, in welchem sich zwar die Zeiten ändern, nicht aber die Menschheit und ihre (Handlungs-) Muster. Zwar bleibt alles bestehen – doch Sprache, Denken und Gesellschaft verändern sich.

Die Menschheit ist ein großes Meer aus Tropfen, die sich vermischen und untereinander berühren, beeinflussen und nichts ist in dem Großen und Ganzen verloren. Ein ewiger Kreislauf.
Seine auserlesene sprachliche Eloquenz behält er in jedem dieser unterschiedlichen Kapitel und Stile bei.

Auch in seinem anstrengendstem. Dem zukünftigen. Dem der Anarchie anheimgefallenen Nachkommen aus der ehemaligen Zivilisation, gegen dessen Schreibweise man sich sträubt. 80 Seiten muss der gepeinigte Leser sprach-verstümmelte Fetzen in der Zukunft überstehen. Zachry erzählt seine Geschichte und hier ist höchste Aufmerksamkeit geboten, um deren Sinn zu erkennen, da seine Sprache in der abgekürzten Lautschrift wiedergegeben wird, in der er spricht. Das ist authentisch, hemmt aber gewaltig und manchmal nervend den Leserhythmus.

Entschädigung dafür aber findet der geneigte Leser in jedem einzelnen danach folgenden Kapitel. Erstaunlich dabei ist, dass die Kapitel sich nahtlos aneinander fügen, und die Geschichten so eindringlich im Gedächtnis verankert sind, dass die Seiten nach dem anstrengenden Zachry Kapitel nur so dahinfliegen.

Mitchell fordert von seinen Lesern Flexibilität, belohnt sie dafür aber mit herausragenden Geschichten. Diese faszinieren durch ihre Vielfalt an Ideen, ihre Authentizität, die der jeweiligen Zeit entspricht und beeindruckendem Esprit. Der Grundtenor der Geschichten entspricht der jeweiligen Zeit. Ist es die blumige Sprache Anfangs des 19.Jahrhunderts oder die Angst vor einem Atomkrieg während des kalten Krieges, die Stimmung vermag er komplett einzufangen

Hinter der von Mitchell gewebten Struktur steckt eine Idee. Die Idee der vielen einzelnen Tropfen, die einen Ozean bilden – ohne jeden dieser einzelnen Tropfen, wäre kein großes Ganzes möglich. Und genauso ist es mit den von ihm erzählten Geschichten. Sie sind verknüpft miteinander – scheinbare Kleinigkeiten lassen sich entdecken und lösen Aha – Erlebnisse aus. So hält man Leser bei der Stange und lässt sie über schwieriges Gelände leichtfüßiger wandeln. Aber es ist nicht nur das Verknüpfen, was Mitchells Leistung ausmacht. Ineinander verwoben öffnen sich die einzelnen Geschichten wie eine Matrioschka und entlassen nach und nach weitere Geschichten – bis hin zur Geschichte im Zentrum. Danach schließen sie sich wieder – zu diesem einen Großen Ganzen. Und was nun Fiktion und oder Wahrheit ist, das kann nicht mehr so genau ausgemacht werden.
Mitchell ist der geborene Geschichtenweber. Und lässt uns nach Lektüre des Wolkenatlas als begeisterte Leser zurück.

Nachtrag: Unbedingt nach der Lektüre auch den Film schauen. Kongeniale bildergewaltige Umsetzung durch Tom Tykwer. Mit vielen, in verschiedenen Rollen, glänzenden Stars.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 01.11.2012
  • Verlag : Rowohlt Taschenbuch
  • ISBN: 9783499241413
  • Flexibler Einband: 667 Seiten
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2 Gedanken zu “Auf Wolke Sieben

    • Ja, wir mögen das Buch auch sehr gerne. Der Blog wird im übrigen von ein paar Leuten gefüttert … das hättest Du ein paar Stöckchen werfen müssen 😉 Aber vielleicht kommt es ja über Umwege an … wer weiß.
      LG von den üblichen Verdächtigen 😉

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