Mainstreet – Vergangenheit, Gegenwart und der Glaube an das Gute

Wie schnelllebig unsere Zeit geworden ist, kann man gut erkennen, wenn man Sinclair Lewis bald 100 Jahre altes Buch liest. Die von Lewis in dieser 1920 erstveröffentlichen Gesellschaftssatire vorausgesetzte Aufmerksamkeitsspanne ist hoch. Hier ist Durchhaltevermögen gefragt. Nicht, weil der Autor oder das Thema unvermögend oder uninteressant sind, doch seine ausnehmend akribische Darstellung der Verhältnisse, die seine…

Zusammenbruch, Umsturz, Hunger, Mord und Totschlag

Dieser historische k.u.k. Krimi spielt schon wie alle anderen Romane dieser Reihe (Band 1 habe ich erst vor zwei Wochen hier im Blog bespochen) im Wien der Vergangenheit, diesmal aber nicht um die Jahrhundertwende, sondern 1918, im letzten Jahr des ersten Weltkrieges und punktgenau zum Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie. Erneut webt der Autor Loibelsberger gekonnt…

Walkaway – Anleitung zur Rebellion und Utopie

Cory Doctorow hat mich vor sieben Jahren schon mit „Little Brother“ überrascht und begeistert. Mit Walkaway setzt er noch einen drauf. Wir leben in einer Untergangsstimmung, die Zukunft ist düster, die Umverteilung der vorhandenen Ressourcen ist in vollem Gange, Lobbyismus zugunsten der Konzerne, einige wenige horten das Kapital, Lohn- und Gehaltsempfänger sind Sklaven des Systems,…

Eine Milchbar im Silo

Der zweite Teil der Lügenhaus-Serie von Anne B. Ragde hält allen Erwartungen stand. Manche Serie wird ja schon ab dem zweiten Teil so dröge, dass man gar nicht mehr weiterlesen mag, ganz anders hier bei der Geschichte um den Schweinezüchter Tor und seine Familie. Als Leser verfolgen wir die Schicksale der norwegischen Großfamilie, die mittlerweile…

Jeder neue Herzschlag zählt

Wird’s besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich! dieses Zitat von Erich Kästner, das gerne zu Silvester herausgekramt wird, könnte sehr gut das Motto für Maggie O’Farrells gerade im Piper Verlag erschienene Buch Ich bin Ich bin Ich bin bilden. O’Farrell selbst stellt ihren biographischen Erzählungen, die sie ihren…

Die Sommer der Porters

Die Sommer der Porters ist eine ruhige, mit Akribie und feinem Gespür erzählte Familiensaga über Generationen hinweg, deren Mittelpunkt das Meer und die Pflanzen im Sommerhaus an der Ostküste der USA ist. Der Landbesitz der im Who is Who der Ostküstengesellschaft verzeichneten Porters, vermutlich Nachfahren eines Mayflower Ahnen, wurde den Indianern abgehandelt und ist seit…